08.05.26
7 min

Carsharing: Vorurteile im Faktencheck

Rund ums Carsharing gibt es viele Annahmen. Wir werfen einen Blick auf fünf typische Vorurteile und ordnen sie anhand von Fakten und unseren Erfahrungen ein.

„Ist Carsharing nicht teurer als das eigene Auto?“ „Und ist auch wirklich immer ein Fahrzeug verfügbar, wenn man es gerade braucht?“ Solche und ähnliche Fragen tauchen rund ums Carsharing immer wieder auf. Gerade weil viele im Alltag vor der Entscheidung stehen, ob Carsharing für sie eine Alternative zum eigenen Pkw ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Da der Ausbau von Carsharing-Stationen Teil unserer Arbeit ist, beschäftigen wir uns regelmäßig mit deren Nutzung und den Erfahrungen der Nutzer*innen im Alltag. Deshalb nehmen wir in diesem Beitrag fünf typische Vorurteile unter die Lupe und ordnen sie mithilfe von Studienergebnissen und unseren Erfahrungen ein.

Vorurteil 1: Carsharing wird nur wenig genutzt. Das sieht man auch daran, dass die Carsharing-Stellplätze oft leer stehen.

Mit Blick auf dieses Vorurteil müssen wir zunächst zwischen stationsbasiertem Carsharing und free-floating Carsharing unterschieden. Beim stationsbasierten Carsharing sind leere Stellplätze kein Zeichen für eine geringe Nutzung. Im Gegenteil: Wenn ein Stellplatz leer ist, ist das zugehörige Fahrzeug gerade unterwegs und wird genutzt. Ein dauerhaft belegter Stellplatz würde dagegen darauf hindeuten, dass das Fahrzeug selten gebucht wird.

Beim free-floating Carsharing sind die Fahrzeuge nicht an feste Stationen gebunden. Sie können innerhalb des Geschäftsgebiets des jeweiligen Anbieters im öffentlichen Raum abgestellt werden, soweit dies erlaubt ist. Zusätzliche und exklusiv reservierte Carsharing-Stellplätze, wie sie an unseren Mobilitätsstationen eingerichtet sind, bieten dabei mehrere Vorteile: Sie erleichtern das Finden eines Parkplatzes, reduzieren den Parksuchverkehr und machen das Carsharing-Angebot im Straßenraum sichtbarer. Zugleich entsteht dadurch ein wiedererkennbarer Ort, an dem Nutzer*innen häufiger Carsharing-Fahrzeuge vorfinden können. Die Mobilitätsstation wird damit nicht nur zu einem Abstellort, sondern auch zu einem verlässlichen Zugangspunkt für das Carsharing.

Darüber hinaus werden die Stellplätze nicht dauerhaft „auf Verdacht“ vorgehalten. Alle Carsharing-Stellplätze sind mit Parksensoren ausgestattet. Die dadurch gewonnenen Daten werden regelmäßig von uns ausgewertet und fachlich beurteilt. Wenn sich zeigt, dass einzelne Stellplätze zu wenig genutzt werden und an einem Standort kein ausreichender Bedarf besteht, können Carsharing-Stellplätze auch wieder reduziert werden.

Ein Blick auf aktuelle Nutzerzahlen aus Deutschland hilft zusätzlich dabei, das Vorurteil einzuordnen: Carsharing wird viel genutzt und wächst seit Jahren. Laut Bundesverband Carsharing (bcs) wurden zum 1. Januar 2026 im Marktsegment „stationsbasiertes Carsharing und kombinierte Systeme“ insgesamt 978.300 angemeldete Fahrberechtigte gezählt. Das entspricht einem Anstieg von 11,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr; seit 2022 stieg die Zahl der Fahrberechtigten um 24 Prozent.¹ Düsseldorf gehört zudem im aktuellen bcs-Städteranking zur Spitzengruppe der deutschen Städte mit der besten Carsharing-Versorgung: In der Rangfolge aller Carsharing-Angebote liegt Düsseldorf auf Platz 7.²

Vorurteil 2: Die Nutzung von Carsharing ist teurer als die des eigenen Autos

Ein Vorurteil, das viele vom Carsharing abhält, ist die Annahme, dass die Nutzung teurer ist als die eines eigenen Autos. Ganz so pauschal lässt sich das aber nicht sagen.

Ob sich Carsharing finanziell lohnt, hängt davon ab, wie oft ein Auto genutzt wird. Für Vielfahrer*innen kann das eigene Auto günstiger sein, da sich die Fixkosten über viele Fahrten verteilen. Für Wenig- und Gelegenheitsfahrer*innen ist Carsharing dagegen oft deutlich günstiger: Kosten für Anschaffung, Versicherung, Wartung, Reparaturen, Steuern und private Stellplätze entfallen. Stattdessen fallen nur nutzungsabhängige Gebühren an, je nach Anbieter ergänzt um eine Anmelde- und/oder Grundgebühr.

Ein wichtiger Hinweis: Bei Carsharing-Tarifen sind die Kosten für Strom, Benzin oder Diesel bereits im Fahr- beziehungsweise Kilometerpreis enthalten. Diese Kosten kommen also nicht noch zusätzlich zur Buchung hinzu. Auch das unterscheidet Carsharing auch vom klassischen „Leihwagen“, bei dem Kraftstoff- oder Ladekosten separat getragen werden müssen.

Der Bundesverband Carsharing (bcs) hat in einem Kostenvergleich ermittelt, dass ein durchschnittliches Carsharing-Angebot in Deutschland bis zu einer Jahresfahrleistung von rund 12.500 Kilometern günstiger ist als ein eigenes Auto. Der günstigste vom bcs identifizierte Carsharing-Tarif bleibt sogar bis zu einer jährlichen Fahrleistung von 17.500 Kilometern günstiger als ein privater Pkw.³

Wenn ihr selbst prüfen möchtet, ob sich Carsharing für euch finanziell lohnt, stellen wir euch bald einen passenden Rechner auf unserer Website zur Verfügung. Über den Start informieren wir euch rechtzeitig auf unserer Website und unseren Social-Media-Kanälen.

Vorurteil 3: Carsharing ist nichts für Familien

Auch dieses Vorurteil taucht immer wieder auf. Doch auch für Familien kann Carsharing sehr gut geeignet sein. Entscheidend ist dabei weniger, ob Carsharing grundsätzlich familientauglich ist, sondern vor allem, für welchen Zweck ein Fahrzeug benötigt wird. Häufig geht es um bestimmte Anlässe wie Ausflüge, größere Einkäufe, Besuche bei Verwandten, Wochenendfahrten oder Urlaubsreisen.

Gerade für gut planbare Fahrten bietet sich stationsbasiertes Carsharing an. Fahrzeuge können dabei bis zu 365 Tage im Voraus reserviert werden. So lässt sich frühzeitig ein passendes Fahrzeug sichern, zum Beispiel ein Auto mit ausreichend Platz für Gepäck oder ein größeres Fahrzeug für längere Fahrten. 

Auch Kindersitze sind für Familien oft wichtig: In vielen Carsharing-Fahrzeugen sind diese bereits vorhanden oder können je nach Anbieter mitgebucht werden. Natürlich bedeutet das etwas zusätzlichen Planungsaufwand, da gezielt nach einem passenden Fahrzeug mit Kindersitz gesucht werden muss. Gleichzeitig erleichtert diese Möglichkeit die Nutzung für Familien deutlich.

Allgemein lässt sich daher sagen: Carsharing ist keineswegs nur ein Angebot für Einzelpersonen oder kleine Haushalte. Gerade Familien, die nicht täglich ein eigenes Auto benötigen, können davon profitieren. Sie bleiben mobil, können je nach Anlass das passende Fahrzeug wählen und vermeiden zugleich die laufenden Kosten eines eigenen Autos.

Vorurteil 4: Die Parkplatzsuche wird durch Carsharing nicht erleichtert

Oft wird angenommen, dass die Parkplatzsuche bei der Nutzung von Carsharing nicht leichter fällt als mit dem privaten Auto. Auch dieses Vorurteil trifft so nicht zu, denn hier muss erneut zwischen den Carsharing-Modellen unterschieden werden.

Beim stationsbasierten Carsharing ist die Parkplatzsuche in der Regel kein Problem. Das Fahrzeug hat einen festen Stellplatz, zu dem es nach der Nutzung zurückgebracht wird. Nutzer*innen wissen also bereits vor Fahrtbeginn, wo sie das Fahrzeug abholen und nach der Fahrt wieder abstellen können. Eine lange Parkplatzsuche am Ende der Fahrt entfällt dadurch.

Beim free-floating Carsharing sind die Fahrzeuge nicht an feste Stationen gebunden. Sie können innerhalb des Geschäftsgebiets im öffentlichen Raum abgestellt werden, soweit dies zulässig ist. Hier kann es grundsätzlich vorkommen, dass am Zielort ein freier Parkplatz gesucht werden muss. Genau dafür bieten unsere Mobilitätsstationen aber einen wichtigen Vorteil: An vielen Mobilitätsstationen sind auch reservierte Stellplätze für free-floating Carsharing vorhanden. Dadurch entsteht ein verlässlicher Ort, an dem Carsharing-Fahrzeuge abgestellt und häufig auch wiedergefunden werden können. 

Hinweis: Bitte beachtet, dass Carsharing-Fahrzeuge nur auf Stellplätzen an unseren Mobilitätsstationen abgestellt werden dürfen, die mit einem Carsharing-Schild gekennzeichnet sind. Gibt es ein Zusatzschild, zum Beispiel „Anbieter A“, dürfen dort nur Fahrzeuge dieses Anbieters abgestellt werden. Ohne Zusatzschild ist der Stellplatz für alle Carsharing-Fahrzeuge und Carsharing-Varianten nutzbar.

Diese reservierten Stellplätze erleichtern das Parken, verringern die Parkplatzsuche und können damit auch Parksuchverkehr reduzieren. Carsharing verschärft die Parkplatzsuche also nicht automatisch – im Gegenteil: Gut platzierte Carsharing-Stellplätze können dazu beitragen, Parkvorgänge zu bündeln und den Zugang zum Angebot zu verbessern.

Vorurteil 5: Man ist flexibler mit dem eigenen Auto

Dieses Vorurteil stimmt nur teilweise. Natürlich steht ein eigenes Auto jederzeit direkt vor der Tür, wenn ein privater Stellplatz vorhanden ist. Carsharing funktioniert anders, kann aber je nach Situation sogar noch flexibler sein.

Ein großer Vorteil ist, dass nicht immer dasselbe Fahrzeug genutzt werden muss. Je nach Anlass kann das passende Auto gewählt werden: ein kleines Fahrzeug für kurze Wege, ein größeres Auto für Einkäufe oder Gepäck, ein Transporter für Umzüge oder ein Fahrzeug für Wochenend- und Urlaubsfahrten. Beim eigenen Auto ist man dagegen dauerhaft auf ein Modell festgelegt.

Beim stationsbasierten Carsharing lassen sich Fahrzeuge bis zu 365 Tage im Voraus reservieren. Das ist besonders praktisch für planbare Fahrten, zum Beispiel Ausflüge, Termine, größere Erledigungen oder Reisen. Nutzer*innen wissen bereits vorher, welches Fahrzeug sie wann und wo abholen können.

Beim free-floating Carsharing steht eher die spontane Nutzung im Vordergrund. Fahrzeuge können flexibel im Geschäftsgebiet gefunden, gebucht und nach der Fahrt wieder im entsprechenden Geschäftsgebiet des Anbieters abgestellt werden. Freefloating eignet sich also besonders für kurzfristige Fahrten im Alltag.

Natürlich gibt es auch Einschränkungen, insbesondere bei spontaner Nutzung: Ein passendes Fahrzeug ist nicht immer genau dort verfügbar, wo es gerade gebraucht wird, vor allem zu nachfragestarken Tageszeiten. Dafür entfallen viele Verpflichtungen eines eigenen Autos, etwa Wartung, Versicherung, Reparaturen oder die dauerhafte Parkplatzsuche.

Carsharing bedeutet daher nicht automatisch weniger Flexibilität. Es ist eine andere Form von Flexibilität: Man besitzt nicht dauerhaft ein Fahrzeug, kann aber je nach Bedarf unterschiedliche Fahrzeuge nutzen, spontan oder geplant. Gerade für Menschen, die nicht täglich ein Auto benötigen, kann das sehr praktisch sein.

Das zeigt der Faktencheck

Viele Vorurteile rund um Carsharing entstehen durch fehlende Nutzungserfahrung, Verallgemeinerungen oder durch falsche Interpretationen von zum Beispiel freistehenden Carsharing-Stellplätzen.

In der Realität ist Carsharing mittlerweile jedoch ein sehr gut funktionierendes Angebot, dass insbesondere als Ergänzung zu anderen Mobilitätsangeboten dient und in vielen Szenarien eine echte Alternative zum privaten Auto sein kann – besonders im urbanen Raum und bei gelegentlicher Nutzung.

Quellenverzeichnis:

[1] Carsharing-Statistik 2026 bcs Bundesverband Carsharing e.V.

[2] bcs_Jahresbericht 2024/2025.pdf

[3] bcs_Jahresbericht 2024/2025.pdf

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