E-Scooter: Vorurteile im Faktencheck
Die Nutzung von E-Scootern ist für viele längst Teil des städtischen Alltags. Doch rund um ihre Nutzung gibt es weiterhin viele Vorurteile. Wir schauen uns fünf der häufigsten genauer an.
In vielen Städten gehören E-Scooter inzwischen zum festen Bestandteil des Mobilitätsangebots und bieten somit eine zusätzliche Möglichkeit, flexibel unterwegs zu sein. Gleichzeitig tauchen immer wieder Fragen rund um ihre Nutzung auf: Wie nachhaltig sind sie wirklich? Und welche Rolle spielen sie mittlerweile im Alltag der Menschen?
Mit Blick auf unsere Sharingstationen und unser „Shared Mobility Dashboard“ beschäftigen auch wir uns regelmäßig mit der Nutzung von E-Scootern. In diesem Beitrag schauen wir uns deshalb fünf Vorurteile an, die es zu E-Scootern gibt und ordnen sie faktisch mithilfe von Studienergebnissen und Nutzungsdaten ein.
Vorurteil 1: E-Scooter sind schlecht für die Umwelt. Vor allem die E-Batterie, die ständig ausgetauscht werden muss, hilft der Umwelt nicht.
Ein häufiges Argument gegen E-Scooter ist, dass diese der Umwelt eher schaden als helfen würden. Insbesondere die Batterien stehen in der Kritik, da sie regelmäßig geladen und ausgetauscht werden müssten und somit Müll produzieren würden.
Aktuelle Entwicklungen bei E-Scooter-Anbietern zeigen jedoch, dass sich in diesem Bereich viel verändert hat. Sharing-Anbieter wie Voi, Lime, Bolt und Dott geben an, dass neuere Modelle deutlich länger genutzt werden können. Viele lassen sich anschließend fast vollständig recyceln. Einige Scooter bleiben inzwischen über sechs Jahre oder länger im Einsatz.
Auch die Batterien werden häufig nicht sofort entsorgt: Ein großer Teil wird überholt und weiterverwendet oder später, wie bei Dott, für andere Anwendungen, etwa zur Energiespeicherung, eingesetzt. Einige Anbieter versuchen auch beim Betrieb der Scooter nachhaltiger zu werden. Immer häufiger kommen dafür Elektrofahrzeuge zum Einsatz, um die Scooter einzusammeln oder auszuladen.
Studien zeigen zudem, dass geteilte Mikromobilität (also E-Scooter und Leihfahrräder) in Städten dazu beitragen kann, Emissionen zu reduzieren - vor allem dann, wenn sie Autofahrten ersetzen oder gut mit Bus und Bahn kombiniert werden. Im Vergleich zum Pkw verursachen E-Scooter zudem über die gesamte Nutzungsdauer hinweg pro gefahrenen Kilometer in der Regel deutlich weniger Emissionen.
Die Umweltbilanz von E-Scootern hängt somit von mehreren Faktoren ab – zum Beispiel davon, wie lange die Fahrzeuge verwendet, wie Batterien recycelt werden und welche Wege sie im Alltag ersetzen. Viele Anbieter passen ihre Systeme außerdem weiter an, um nachhaltiger zu werden.
Vorurteil 2: E-Scooter liegen wild in der Stadt im Weg rum und sind eine Gefahr für Menschen auf den Gehwegen.
Die Einführung der E-Scooter in Deutschland hat anfangs für viel Diskussion gesorgt. Manche befürchten noch immer, dass eine Vielzahl an Scootern auf Gehwegen im Weg stehen und andere Verkehrsteilnehmende dadurch beeinträchtigen.
Aktuelle Zahlen zeigen, dass das jedoch immer seltener vorkommt. Laut den Angaben des Anbieters Voi liegt der Anteil umgefallener E-Scooter bei weniger als 0,3 % aller Scooter – also nur einem sehr kleinen Teil. Auch zum Verhalten der Nutzer*innen liegen Zahlen vor. Laut dem Safety Report von Bolt fahren rund 98 % der Fahrer*innen verantwortungsbewusst. Nur rund 2 % fallen wiederholt durch problematisches Fahr- und Parkverhalten auf.
Um diese Herausforderung zu lösen, arbeiten Städte und Anbieter daran, das Parken weiter zu verbessern. Unsere Sharingstationen sorgen in Düsseldorf dafür, dass E-Scooter an festen Punkten ausgeliehen und auch sicher und ordentlich wieder abgestellt werden. Außerhalb dieser Stationen wird das Abstellen digital unterbunden. Ergänzend setzen Anbieter auch auf technische Funktionen wie Geofencing. Damit können bestimmte Bereiche festgelegt werden, in denen Scooter langsamer fahren oder nur an bestimmten Stellen geparkt werden.
Insgesamt zeigt sich: Der Anteil auf dem Weg liegender Fahrzeuge ist sehr gering. Maßnahmen wie Sharingstationen oder Geofencing helfen dabei, das Parken besser zu ordnen und Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmer*innen zu reduzieren.
Vorurteil 3: Nur wenige nutzen die E-Scooter und sind auch keine wirkliche Alternative zum Pkw.
Manche haben den Eindruck, dass E-Scooter nur selten genutzt würden und deshalb kaum eine Rolle im städtischen Verkehr sowie im Alltag der Menschen spielten. Zudem seien sie keine echte Mobilitätsalternative zum Pkw.
Verschiedene Befragungen und Nutzungsdaten von Anbietern geben jedoch Hinweise darauf, dass E-Scooter in vielen Städten durchaus im Alltag verwendet werden und auch andere Verkehrsmittel ergänzen. Eine Befragung von Voi zeigt: Viele Fahrten finden im Alltag statt. Mehr als 70 % der Fahrten passieren unter der Woche zwischen 7 und 19:00 Uhr – also genau zu den Zeiten, in denen viele Menschen zur Arbeit, zur Schule oder zu anderen Terminen unterwegs sind. Auch die Daten aus unserem Shared Mobility Dashboard bestätigen das.
Zudem sind E-Scooter häufig Teil einer längeren Strecke. Bei rund der Hälfte aller Fahrten von Voi startet oder endet der Weg in der Nähe einer Haltestelle von Bus oder Bahn. Sie werden oft genutzt, um den Weg zur Haltestelle oder von dort zum Ziel zurückzulegen.
Durch die Befragung von Voi zeigt sich außerdem, dass E-Scooter zum Teil auch eine Alternative für die Pkw-Nutzung bieten können. Vier von zehn Nutzer*innen gaben an, dank der E-Scooter seltener mit dem Auto zu fahren. Eine weitere Umfrage des Anbieters Dott zeigt ein ähnliches Ergebnis: Etwa jede zehnte Person berichtete, den Kauf eines neuen Autos aufgeschoben zu haben, seit sie den Service nutzt.
E-Scooter werden also in vielen Städten inzwischen regelmäßig gefahren und sind im Alltag vieler Menschen angekommen. Sie werden häufig mit Bus und Bahn kombiniert. Nutzer*innen nehmen die E-Scooter jedoch nur teilweise als Pkw-Ersatz wahr, sondern eher als Ergänzung.
Vorurteil 4: E-Scooter werden nur durch männliche Minderjährige genutzt.
Ein weiteres Vorurteil rund um E-Scooter ist, dass sie vor allem von männlichen Minderjährigen genutzt würden. Und tatsächlich bestätigen Auswertungen des Anbieters Voi, dass der Männeranteil derzeit höher ist als der Anteil von Frauen. Jedoch verändert sich die Altersstruktur der Nutzer*innen seit einigen Jahren. Der Anteil der über 45-Jährigen ist seit 2019 von etwa 10 % auf 25 % gestiegen. Auch bei den besonders häufigen Nutzer*innen lässt sich eine Entwicklung erkennen. Während E-Scooter früher vor allem von unter 30-Jährigen genutzt wurden, liegt der Schwerpunkt inzwischen bei den 30–35-Jährigen.
Insgesamt deutet diese Veränderung darauf hin, dass das Angebot immer mehr von unterschiedlichen Altersgruppen genutzt wird und für viele Menschen Teil ihres Alltags geworden ist.
Vorurteil 5: E-Scooter sind gefährlich und es gibt viele Gefahren und Unfälle.
Oft wird angenommen, dass E-Scooter besonders gefährlich im Straßenverkehr seien. Vor allem die Geschwindigkeit und die ungewohnte Fahrweise werden als mögliche Ursachen für Unfälle genannt.
Mit Blick auf aktuelle Unfallszahlen in Europa hilft es, diese Sorge einzuordnen: Im Vergleich zu 2023 ist die Zahl der Verletzungen bei den Nutzer*innen um 4 % gesunken, obwohl die Zahl der Fahrten im gleichen Zeitraum um 4 % gestiegen ist. Das bedeutet: Obwohl mehr Menschen E-Scooter fahren, gab es insgesamt weniger Verletzungen. Die meisten der Unfälle sind im Zusammenhang mit Alkohol oder falscher Straßennutzung entstanden.
Auch im Deutschlandweiten Unfallgeschehen spielen E-Scooter eine vergleichsweise kleine Rolle. Nur bei etwa 4 % der Verkehrsunfälle mit Personenschaden war ein E-Scooter beteiligt. Außerdem sind viele dieser Unfälle im Zusammenhang mit Alkohol oder falscher Straßenbenutzung entstanden.
Das zeigt: E-Scooter sind nicht grundsätzlich gefährlich. Das Gefahrenpotenzial hängt von der individuellen Fahrweise ab. Trotz steigender Nutzung ist die Zahl der Verletzungen zuletzt jedoch zurückgegangen.
Was der Faktencheck zeigt
Rund um die E-Scooter gibt es verschiedene Vorurteile, die sich oft aus einzelnen Beobachtungen im Alltag ergeben. Schaut man sich Studien, Befragungen und Nutzungsdaten an, lassen sich viele dieser Annahmen besser einordnen. Gleichzeitig entwickeln sich Lösungen für das urbane Management von E-Scootern & Co. weiter. Städte und Sharing-Anbieter arbeiten daran, bekannte Herausforderungen zu verbessern. Ein Beispiel aus Düsseldorf sind unsere Sharingstationen, die für mehr Sicherheit und Ordnung beim Abstellen sorgen.
Quellenverzeichnis:
[1] voi Sustainability Report 2024; Fraunhofer report blog post German; Sustainability at Bolt; TIER dott Sustainability Report 2024
[2] voi Sustainability Report 2024; Fraunhofer report blog post German
[3] Fraunhofer ISI (2022): „The Net Sustainability Impact of Shared Micromobility in Six Global Cities“; OECD / International Transport Forum (ITF): „Greener Micromobility“ (2024)
[4] 2024 Bolt Micromobility Safety Report
[5]Voi Global User Survey 2025 (n≈12.000 Nutzer:innen, 12 Länder); Nutzungsdaten VOI 2025
[6]Voi Global User Survey 2025 (n≈12.000 Nutzer:innen, 12 Länder); tier-dott usage report 2024 (n=8.268, 10 Länder)
[7] Voi Global User Survey 2025
[8] Incident Data 2024 - Micro-mobility for Europe
[9] 26,7 % mehr E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden im Jahr 2024 - Statistisches Bundesamt
[10] 26,7 % mehr E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden im Jahr 2024 - Statistisches Bundesamt