Hinter den Kulissen: So entstehen unsere Mobilitätsstationen
Von der ersten Standortidee bis zur Eröffnung: Der Bau unser Mobilitätsstationen ist äußerst komplex. Heute zeigen wir euch, welche Prozesse dahinterstehen und wer alles beteiligt ist.
34 Mobilitätsstationen haben wir bereits gebaut und viele weitere werden folgen. Wer an einer neuen Station vorbeigeht, sieht unter anderem Fahrradbügel und -garagen, Carsharing-Stellplätze und neue Begrünung. Was kaum jemand sieht: Bis eine Station eröffnet werden kann, liegen viele Monate Planung, Abstimmungen, Genehmigungen und politische Entscheidungen hinter ihr. Wie wird ein geeigneter Standort ausgewählt? Wer ist an den Entscheidungen beteiligt? Wann werden Anwohner*innen eingebunden?
Antworten auf diese und weitere Fragen geben wir euch im heutigen Beitrag.
Strategie und Grundlagenermittlung
Alles beginnt mit der Suche nach einem geeigneten Standort. In enger Abstimmung mit dem Amt für Verkehrsmanagement analysieren wir zunächst verschiedene Flächen und prüfen, welche sich für eine Mobilitätsstation besonders gut eignen und wie sie sich sinnvoll in das bestehende Verkehrs- und Stadtbild integrieren könnten. Hierbei berücksichtigen wir einerseits strategische Ziele, beispielsweise das Netz schrittweise von der Innenstadt in die Außenbezirke auszubauen, anderseits Förderprogramme wie Multi-Mo-DUS, in dessen Rahmen 18 Stationen in den Quartieren Derendorf, Golzheim und Pempelfort entstehen. Darüber hinaus bewerten wir jeden potenziellen Standort anhand verschiedener Kriterien, etwa seiner Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, bereits vorhandener Mobilitätsangebote, der räumlichen Gegebenheiten im Straßenraum sowie des Bedarfs im jeweiligen Quartier. Durch Ortsbegehungen sowie datenbasierte Auswertung der Scooter- und Carsharing-Nutzung, gepaart mit Bevölkerungsdaten und eigenen Erfahrungen verschaffen wir uns so einen möglichst umfangreichen Überblick über die Gesamtsituation.
Steht ein geeigneter Standort fest, fragen wir als nächstes den konkreten Mobilitätsbedarf im jeweiligen Quartier ab. Denn uns ist es besonders wichtig, die Anwohner*innen bereits zum Projektstart bestmöglich zu involvieren. Ziel ist es, unsere Planung durch gezielte Bedarfsabfragen optimal auf die Wünsche und Gegebenheiten vor Ort abzustimmen. Über Infostelen mit QR-Codes können Anwohner*innen ihre Anregungen hinsichtlich einzelner Module direkt in die Planung einbringen.
Vorplanung
Auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse entstehen anschließend drei unterschiedliche Planungskonzepte. Sie zeigen verschiedene Möglichkeiten, wie die Mobilitätsstation später aussehen könnte, welche Mobilitätsangebote Platz fänden und wie sie sich in den Straßenraum integrieren würden. Die unterschiedlichen Varianten helfen uns dabei, verschiedene Lösungen miteinander zu vergleichen und ihre Auswirkungen auf den Straßenraum frühzeitig zu bewerten. So können wir gemeinsam mit dem Amt für Verkehrsmanagement und weiteren Fachämtern diejenige Planung auswählen, die den Anforderungen des Standorts am besten gerecht wird. Anschließend folgt die Ausschreibung und Vergabe externer Dienstleistungen wie beispielsweise der Planung und Vermessung.
Entwurfsplanung und Genehmigungsplanung
Der ausgewählte Entwurf wird jetzt in einem iterativen Prozess Schritt für Schritt weiterentwickelt und konkretisiert. So achten wir bei der Positionierung der verschiedenen Module unter anderem darauf, dass Menschen mit Geh- oder Sehbehinderungen durch die Baumaßnahmen nicht beeinträchtigt werden, Sichtachsen erhalten bleiben und keine unterirdischen Schächte oder Gasleitungen überbaut werden. Um all dies nicht nur sicherzustellen, sondern bestmöglich zu optimieren, arbeiten wir in dieser Phase mit externen Planungsbüros und dem „Runden Tisch Verkehr“ des Behindertenrats zusammen. Ziel ist es, eine Planung zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Menschen vor Ort ebenso gerecht wird wie den technischen, rechtlichen und städtebaulichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig definiert die Entwurfsplanung alle Kosten, die wiederum als Grundlage für den späteren Förderantrag dient. Wenn die Entwurfsplanung vorabgestimmt ist, wird ein Umlaufverfahren mit allen Fachämtern und externen Unternehmen durchgeführt, bei denen alle Belange zurückgemeldet werden.
Da viele Mobilitätsstationen mithilfe von Fördermitteln umgesetzt werden, bereiten wir in dieser Phase die erforderlichen Förderanträge vor und reichen sie ein. Darüber hinaus werden zahlreiche weitere Genehmigungen angestoßen, beispielsweise denkmalrechtliche Erlaubnisse, Sondernutzungsgenehmigungen sowie Baugrunduntersuchungen, um etwaige Altlasten im Boden zu identifizieren. All das bildet die rechtliche Grundlage dafür, dass eine Mobilitätsstation später ordnungsgemäß und rechtssicher umgesetzt werden kann.
Sind alle fachlichen Prüfungen abgeschlossen und die erforderlichen Unterlagen vorbereitet, erstellen wir auf dieser Grundlage die Vorlage für den politischen Beschluss. Erst wenn die Landeshauptstadt Düsseldorf diesem zugestimmt hat, kann die Umsetzung der Mobilitätsstation beginnen.
Zusätzlich treten wir mit den Anwohner*innen des betroffenen Standorts in den Dialog. In einem Online-Format stellen wir sowohl den zeitlichen Ablauf als auch die konkrete Planung der Mobilitätsstation vor. Dabei präsentieren wir das geplante Mobilitätsangebot, beantworten offene Fragen und nehmen Anregungen auf. Auch mit weiteren Interessengruppen, etwa Gewerbetreibenden, suchen wir den persönlichen Austausch, informieren über den aktuellen Planungsstand und berücksichtigen – soweit technisch und rechtlich möglich – Hinweise und Bedarfe in der weiteren Planung.
Ausführungsplanung und Vergabe
Sobald alle Genehmigungen vorliegen und der politische Beschluss gefasst wurde, beginnt die Vorbereitung der konkreten Umsetzung. Dafür erstellen wir detaillierte Ausführungspläne, die als verbindliche Grundlage für den späteren Bau dienen. Darin werden unter anderem technische Maße, Materialien, Höhen und weitere bauliche Details exakt festgelegt, damit alle beteiligten Unternehmen auf derselben Planungsbasis arbeiten können. Abschluss der Ausführungsplanung ist der so genannte Unterschriftenumlauf, bei dem alle Fachämter und die Amtsleitung die Ausführungsplanung unterschreiben.
Erledigt werden die baulichen Maßnahmen später von Fachunternehmen, die sich im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung bewerben können. So erhalten geeignete Unternehmen die Möglichkeit, sich am Bau der Mobilitätsstation zu beteiligen. Nach Abschluss des Vergabeverfahrens werden die eingegangenen Angebote geprüft und die Aufträge entsprechend der geltenden Vergabevorschriften vergeben.
Parallel bereiten wir die Baustellenkommunikation vor. Uns ist wichtig, Anwohner*innen und Gewerbetreibende frühzeitig über die bevorstehenden Arbeiten zu informieren. Deshalb verteilen wir Postwurfsendungen, stellen Infostelen auf und informieren über den geplanten Bauablauf, mögliche Einschränkungen sowie die voraussichtliche Bauzeit. So schaffen wir Transparenz und geben allen Betroffenen die Möglichkeit, sich rechtzeitig auf die Bauphase einzustellen.
Objektüberwachung und -betreuung
Mit dem Baustart beginnt die Arbeit vor Ort, die wir über die gesamte Umsetzung bis zur Fertigstellung engmaschig begleiten. Gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen koordinieren wir den Bauablauf, stimmen einzelne Arbeitsschritte aufeinander ab und sorgen dafür, dass die Umsetzung den zuvor erarbeiteten Planungen entspricht.
Während der gesamten Bauphase behalten wir Qualität, Termine und Abläufe im Blick. Treten unvorhergesehene Herausforderungen auf, stimmen wir das weitere Vorgehen gemeinsam mit allen Beteiligten ab und entwickeln passende Lösungen. Zum Beispiel durch plötzlichen Bodenfrost oder unerwartete Kabel oder Schächte auf der Baustelle.
Parallel bereiten wir die Eröffnung der neuen Mobilitätsstation vor. Dazu gehören unter anderem die Planung der begleitenden Kommunikation sowie je nach Größe und Bedeutung des Projekts die Organisation einer Informationsveranstaltung oder einer offiziellen Eröffnungsfeier.
Sind alle Bauarbeiten abgeschlossen, nehmen wir die Mobilitätsstation gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen offiziell ab. Dabei prüfen wir, ob sämtliche Module ordnungsgemäß funktionieren und alle Anforderungen erfüllt sind. Erst wenn alle Prüfungen erfolgreich abgeschlossen sind, wird die Mobilitätsstation für die Öffentlichkeit freigegeben.
Mehr als Planung und Bau
Der Blick auf die einzelnen Projektphasen zeigt: Hinter einer Mobilitätsstation steckt weit mehr als die sichtbare Baustelle oder die spätere Eröffnung. Von der ersten Standortidee über Bürgerbeteiligung, Planung und politische Beschlüsse bis hin zur Umsetzung vor Ort sind zahlreiche Fachbereiche, Unternehmen und Institutionen beteiligt. Jede Phase baut auf der vorherigen auf und trägt dazu bei, eine Mobilitätsstation zu schaffen, die funktional, sicher und langfristig in das jeweilige Quartier passt.
Unsere Aufgabe besteht also nicht allein in der Planung und dem Bau sondern vor allem darin, all diese Prozesse zu koordinieren, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und den gesamten Projektverlauf transparent zu begleiten. Denn eine Mobilitätsstation entsteht nicht von heute auf morgen. Sie ist das Ergebnis einer sorgfältigen Planung, enger Zusammenarbeit und vieler gemeinsamer Entscheidungen.
Auch in Zukunft werden wir unser Netz an Mobilitätsstationen Schritt für Schritt weiter ausbauen. Dabei bleibt unser Anspruch derselbe: Orte der Mobilität zu schaffen, die den Menschen in Düsseldorf den Umstieg auf nachhaltige Verkehrsmittel erleichtern und die Mobilität in unserer Stadt langfristig einfacher, vernetzter und lebenswerter machen.